Samstag, 20. September 2014

Die ersten Wochen in Bali

Olanday!  

- So sagt man hier in Bali Njenka „Guten Tag“.

Gerade sitze ich in Ndop, ca. 60 km von Njenka entfernt in einem Internetcafé und sende direkt zwei neue Einträge ein, der Erste ist mittlerweile schon relativ alt ,weil ich ihn bis eben nicht veöffentlichen konnte.

Wir besuchen dieses Wochenende meine Freundin Julia und ich muss sagen, ich bin wirklich stolz darauf, dass wir das so ohne Probleme im Chaos von Bamenda geschafft haben. Man merkt wirklich, dass man sich wirklich sehr schnell und sehr gut hier einfindet. Vor ein paar Wochen hätte ich nicht geglaubt, dass ich mich hier so schnell zu Hause fühlen würde.

Diese Woche hat die Schule angefangen. Meine Klassen sind wirklich super, weil sie einfach so viel Spass am Unterricht haben. Es ist toll zu sehen, dass ihnen gefällt was ich mit ihnen mache. Dennoch ist es wirklich anstrengend, weil meine Klassen hier riesig sind. Das Schöne daran ist, dass ich an staatlichen Schulen unterrichten darf und sich die Lehrer und alle, die für die öffentliche Schulbildung arbeiten alles dafür geben, damit die Kinder die bestmöglichste Bildung bekommen. Die meisten Schulen sind hier nämlich privat. Die Lehrer haben allerdings auch keine Probleme damit, die Kinder zu kontrollieren, was wahrscheinlich an meiner fehlenden pädagogischen Ausbildung liegt. Es kommt auch sehr auf die individuellen Kinder in den Klassen an, meine grösste Klasse mit 103 Kindern ist einfacher zu bändigen als die kleinste mit ca. 40.

Montag bis Donnerstag unterrichten wir Sport und Musik an der GBPS Bali Town, einem Schulkomplex mit vier Sektoren in 2 Gebäuden. Freitags unterrichten wir, ebenfalls Sport und Musik, in der Alpha School. Dort sind die Musikklassen auch klein mit ungefähr 30 Kindern.
Die Arbeit macht sehr viel Spass und wir haben auch immer genug Zeit um alles ordentlich vorzubereiten. Ausserdem hatten wir die absolute Freiheit was unseren Stundenplan angeht. Hier in Bali haben die Freiwilligen das Glück, dass wir komplett alleine unseren Stundenplan und mittlerweile auch unsere Unterrichtsfächer bestimmen können. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.

Heute haben wir uns den ganzen Tag Zeit genommen um uns mal richtig auszuruhen. Julia hat mir die Haare geschnitten. Für alle die meine laaaaange Geschichte um meine Frisur mitverfolgt haben: Ich hab es mittlerweile geschafft und habe tatsächlich einen Afro, zwar noch kurz, aber das erste mal seit 6 Jahren absolut naturgetreu :)
Dann waren wir essen und haben Planten gegessen, also Kochbananen. 
Morgen machen wir uns wieder auf den Weg nach Bali und eine lange und wahrscheinlich unbequeme Fahrt steht uns bevor, da hier in einem Taxi normalerweise mindestens 8 Personen (mit Fahrer) in einem kleinen Auto sitzen. Nach ein paar Fahrten findet man allerdings immer bessere Taktiken um möglichst schmerzfrei zu sitzen.

Was ich hier wirklich liebe ist die Gelassenheit. Das gilt natürlich nicht für alle, aber ich habe das Gefühl, dass ich hier richtig zur Ruhe komme und manchmal völlig die Zeit vergessen kann. Es ruft nicht ständig der nächste Termin, die nächste Verpflichtung, das Telefon klingelt nicht im Minutentakt. Man hat wirklich Zeit für sich und ich fange an alles etwas entspannter zu sehen.
Immer wenn ich wegen irgendeiner Kleinigkeit sofort Panik schiebe, habe ich ungefähr 10 Leute, die ich sofort anrufen könnte und mir sofort zur Seite ständen. Eins ist man hier wirklich nicht mehr: einsam. Natürlich vermisst man Familie und Freunde, aber ich persönlich glaube, dass man einfach versuchen muss anzukommen und sich nicht zu sehr auf das zu konzentrieren, was man gerade nicht hat, sondern das, was man hat und haben kann.
Man muss eben wirklich von einer anderen Stufe beginnen. Man ist wieder unwissend und teilweise hilflos. Vieles ist hier absolut anders als in Deutschland, aber nicht schlechter. Man muss sich klarmachen, dass man jetzt eben anders lebt und dann kann man es geniessen :)

Mittlerweile stört mich es nicht mal mehr annähernd so wie am Anfang, dass wir kein fliessend Wasser haben.
Und dass was ich hier bisher an Putzen, Aufräumen, Wäsche waschen, Kochen etc. gemacht habe, hätte ich in Deutschland wahrscheinlich in einem Jahr gemacht. Danke Mama, dass du das alles gemacht hast kann ich da nur sagen, das ist echt ne Riesenarbeit.

Wir gehen jetzt wieder zurück zum Haus, es ist schon seit 2 1/2 Stunden superdunkel und morgen geht es ja früh schon wieder los :)

Bis bald,
Louisa

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