Montag, 10. November 2014

Neues aus Kamerun

Von Douala, dem Essen und dem alltäglichen Kram


Nun ja, also wie bei jedem neuen Eintrag muss ich mich erst mal für meine lange Abwesenheit entschuldigen.

Jetzt bin ich schon fast 2 Monate hier. Echt verrückt wenn man bedenkt, dass ich ja nur 12 hier bin.
Seit meinem letzten Blogeintrag ist sehr sehr viel passiert. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Am 4. Oktober bin ich mit meiner Freundin Julia, die in Ndop (ca. 60 km entfernt) wohnt, nach Douala gefahren. Douala ist das deutsche Frankfurt, also das wirtschaftliche Zentrum. Ein Freund von mir, George, meinte sogar, dass es mehr Einwohner als Yahoune, die Hauptstadt, hat.

Wir sind nach Douala gefahren um am 6. Oktober in der „Deutschen Seemanns-Mission“ den deutschen Nationaltag zu feiern. Das ist eigentlich ziemlich verrückt wenn man bedenkt, dass das einzige was ich in Deutschland an diesem Tag gefeiert habe war, dass ich keine Schule hatte. Am 3. Oktober, also dem korrektem Datum, gab es in Yahounde eine Feier, aber es war sehr kompliziert dorthin zu gelangen.

Nach drei Wochen in einem fremden Land in eine fremde Stadt zu fahren ist einfach gesagt eine Schnappsidee. Deshalb mussten wir uns darum kümmern, dass wir Kontakte in Douala haben, die uns herumführen können. Es ist in keinem Land sehr intelligent einfach so in eine komplett fremde Umgebung zu gehen, die noch dazu riesig ist. Natürlich sind wir hier als Weiße und Europäer sehr auffällig und werden häufig als Touristen eingeschätzt, die ja bekanntlich recht wenig von der Kultur wissen bzw. oft auch nicht wissen wollen und häufig sehr viel Geld haben, dass sie ausgeben wollen. Glücklicherweise haben wir bekannte in Douala und das war das Beste, das uns hätte passieren können: So eine Gastfreundschaft habe ich wirklich noch nie erlebt, es war wunderbar. Wir durften immer mit der Familie essen, sie haben uns Douala ein bisschen gezeigt, wir waren shoppen und und und...

Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass sich Douala von keiner westlichen Großstadt unterscheidet, was nicht ganz wahr ist. Man sieht sofort, dass die Häuser und vor allem die Straßen definitiv genauso nach Niederbrechen oder Limburg aussehen, allerdings habe ich auf all die riesigen Shops und Einkaufsketten, sowie MC Donalds, Starbucks und so einen Kram erwartet. Gesehen hab es nicht, was natürlich nicht ausschließt, dass es trotzdem da sein könnte. Ich habe in einem Club eine Nachmache von MC Donalds gesehen (sah auch genauso aus) und dort wurden direkt Döner in der Mikrowelle aufgewärmt und um ehrlich zu sein – das war 10 mal besser als Megges. Einen recht großen Zara habe ich auch gesehen – natürlich musste ich reingehen und etwas überteuertes kaufen, obwohl man hier für so wenig Geld so viel besseres maßgeschneidert kaufen kann. Ich schätze, dass ist definitiv der Europäer in mir. Douala ist also nicht wirklich wie Frankfurt, aber kommt dem schon ziemlich nahe und ich muss sagen, dass ich Frankfurt und Starbucks auch nicht wirklich so sehr vermisse.

Am 6. 10. waren wir dann also bei der Seamansmission. Dort war übrigens ein Dresscode angesagt. Dort wurde ich dann wieder voll in die deutsche Kultur hereingepresst und teilweise war es toll, teilweise hat es mich auch direkt genervt. Die typische Situation zum Beispiel, dass eine absolut unverschämte Frau sich einfach vor uns und ungefähr 50 andere Leute am Buffet gedrängelt hat und nicht mal die Spur eines Schamgefühles zu sehen war. Die guten, alten Bilderbuch-Senioren also. Trotzdem habe ich mich sehr wohl gefühlt, es sah wunderschön aus. Wir waren auf einer Balkonterasse aus Bast mit Blick auf den Hafen Doualas. Diese Szene war schon wirklich ziemlich beeindruckend. Außerdem war das Essen und Trinken kostenlos, was mich gefreut hat, denn deutsche Preise kann ich hier definitiv nicht zahlen. Es war ein sehr schöner Abend, wenn ich auch nur mit wenigen Personen geredet habe, denn die meisten waren über 60. Wir haben vier andere deutsche Freiwillige kennengelernt und haben mit ihnen einen tollen Abend verbracht. Ich bin mit sicher, dass wir sie noch besuchen werden und sie uns auch. Zum Schluss wurden wir noch vom Auto der Seamansmission nach Hause, also ins Hotel, gebracht.

Einen Tag haben wir in Limbe verbracht und kurz den Strand gesehen, wir waren des Öfteren abends in Nightclubs und haben ein bisschen was getrunken und getanzt, wir haben die Universität von Douala gesehen, die Shoppingmall, Schuhgeschäfte und den ganzen Tourikram durchgezogen. Da wir aber alles mit unseren supernetten Bekannten aus Douala und Boja getan haben, glaube und hoffe ich, dass wir noch ein bisschen mehr als das gesehen haben.

Ich habe mich auch mit meinem Freund George getroffen, der übernächste Woche leider für 4 Monate (!) auf Geschäftsreise geht. Er würde gerne, dass ich nochmal komme, aber Douala ist leider 8 Stunden Fahrt und ich kann leider nicht einfach so kommen. Ich hoffe, dass ich ihn nochmal sehen kann, denn wir hatten einen sehr schönen Abend und er ist supernett. Allerdings konnten wir uns kaum unterhalten, denn im Club war es wahnsinnig laut. Ein Tipp ist es sich niemals vor den Lautsprecher zu setzen, selbst wenn man in eine Bar geht.





Nun zum Essen:


Tja, es gibt das kamerunische Essen und......unser Essen. Unser Essen besteht meistens aus Nudeln (Spaghetti) und Tomatensoße mit frischem Gemüse, wahlweise Spaghetti mit Ei oder Öl und Pfeffer und Salz. Später haben wir auch Kartoffeln entdeckt (Irish Potatoes) und kochen jetzt auch oft Bratkartoffeln, einmal auch Pommes. Avocadocreme können wir auch. Unsere Kochkünste sind nicht sehr groß und vor allem sind die Produkte sehr sehr sehr anders als in Deutschland. Hier hat fast niemand einen Kühlschrank, wenn dann eine Tiefkühltruhe. Das heißt alles wird auf dem Markt gekauft und muss in ein paar Tagen weg. Mein größtes Problem ist eigentlich, dass es absolut keine Milchprodukte gibt. Die gibt es in den großen Städten und die brauchen meistens einen Kühlschrank. Es gibt einen bestimmten Käse und einen Joghurt die ohne Kühlschrank auskommen, aber beide hauen einen geschmacklich nicht gerade um. Vollmilch wie ich sie kenne, gibt es zumindest in Bali nicht, sicher aber in Bamenda und ab und zu werde ich mir das auch gönnen. Allerdings ist alles was so europäisch und nicht geläufig ist, also importiert werden muss, sauteuer.

Ich war letztens in Bamenda und konnte nicht widerstehen mir ein Baguette mit Salami und Käse für über 3 Euro zu gönnen. Drei Euro ist sehr viel wenn man nur ca. 40 zum Essen hat. Für den Monat. Trotzdem kann man mit dem Geld, dass wir hier bekommen, gut auskommen. Was ich jetzt tun werde ist einmal im Monat nach Bamenda zu fahren und mir den europäischen/westlichen Kram zu gönnen. Das Essen ist eins der wenigen Sachen, die mich hier wirklich stören. Obwohl das Essen hier echt lecker ist bin ich die Einzige Freiwillige vom IB, die sich leider noch nicht ganz daran gewöhnt hat. Aber das wird sich sicher bald ändern.

Wir werden jetzt anfangen mehr mit Kamerunern zu kochen, denn das Essen hier ist richtig lecker, aber wenn man aus Deutschland kommt hat man keine Ahnung wie man Gari, Occra, Fufu con oder sowas zubereitet. Max und ich sind schon ziemlich oft essen gegangen, so vor 2 Wochen eigentlich täglich. Der Preis ist auch wirklich nicht im Bereich des Vorstellbaren. Für ca. 50 ct kriegt man mehr essen als man jemals essen kann. Man sagt einfach „Rice for 250“ und kriegt für ca. 35 ct richtig lecker Rice mit Stew, also Reis mit etwas, das Tomatensoße ähnelt. Das Essen gehen ist also super, allerdings gibt es immer die selben Gerichte und selber kochen macht ja auch Spaß. Preislich ist es sogar billiger, glaube ich, weil wir immer frisches Gemüse dazuschneiden und sicher immer etwas mehr als den normalen Preis zahlen. Das Handeln klappt aber mittlerweile ziemlich gut. Gerade wenn es um das Motofahren geht. Motos sind Motorradtaxis mit denen man hier so ziemlich überall hin fahren kann. Wir nehmen jeden Tag welche. Der Trick beim Handeln ist es irgendwann einfach wegzugehen um dann meistens ein „Ok, let's go, now.“ zu ernten und dankbar aufzusteigen. Was Klamotten angeht, habe ich keine Ahnung von den Preisen und werde grundsätzlich verarscht. Aber das Beste ist es einfach mit Freunden aus Kamerun einkaufen zu gehen. Es macht erstens Spaß und zweitens lernt man viel.

Letztens haben wir Enestine getroffen, unsere Nachbarin. Sie ist leider nach Limbe gezogen (ca. 10 Stunden) weg und wir haben immer nur viel von ihr gehört. Sie hatte sehr viel Kontakt mit allen anderen Freiwilligen hier. In den paar Tagen haben wir unfassbar viel gesehen und gelernt. Wir waren mit ihr aus, haben mit ihr eingekauft, ein paar Infos über mögliche Ausflugsorte erhalten und mit ihr und ihrer Familie gekocht. Wir haben Fufu con (kann man sich vorstellen wie eine Mischung aus Griespulver und Kartoffelbreipulver) und Occra Soup gemacht (Occra ist ein Gemüse und es ergibt eine sehr schleimige, aber sehr leckere Soße). Es hat sehr lecker geschmeckt, hat aber auch ca. 3 oder 4 Stunden gedauert. Also in meinem Zeitgefühl ewig. Das haben wir in der „Firekitchen“ gekocht. Diese Küche ist ein kleines Haus (ich habe ein Foto von Ma Esthers gepostet), in dem eine Feuerstelle auf dem Boden liegt. Ich dachte anfangs allen Ernstes, dass das etwas für Menschen ist, die sich keine „richtige“ Küche leisten können. Total falsch und absolut überheblich von mir. Es ist viel praktischer, ich wünschte ich hätte eine. Alles geht viel schneller und außerdem kriege ich jetzt schon Angst davor wir unsere Küche aussieht wenn wir darin so etwas kochen. Am nächsten Tag haben wir Gelouff Rice gekocht. Reis mit Bohnen, Karotten, Ingwer, Peppe (sehr sehr scharf, ungefähr wir Peperoni, mit Pfeffer wird hier nicht gekocht), Green Spice (Petersilie und Basilikum) und Tomaten gekocht. Alles wir kleingeschnitten und mit dem Reis zusammengekoht. Ingwer, Peppe und Green Spice wird gemahlen und dann als Paste hinzugefügt. Gemahlen wird hier auf dem Grinding Stone (eine Steinplatte und ein Stein und dann geht’s los). Außerdem wird viel mit der Grinding Machine gemacht, etwas wo man selbst Erdnüsse oder Egussi (braucht man für Occra Soup) mahlt. Einfach losdrehen und unten eine Schüssel hinstellen. Enestine hat mir auch gezeigt, wie man einen Fisch zubereitet, also welche Teile man entfernen und welche rausschneiden muss, ich hätte niemals gedacht, dass ich das irgendwann mal machen werde bzw. mich nicht davor ekeln würde.

Jetzt weiß ich also wie man etwas Kamerunisches kocht, gestern haben wir auch mit der freundlichen Nichte von Ma Esther gekocht (sehr sehr lecker). Sie nennt es „Fast Food“. Tomaten, Zwiebel, Green Spice, Sardine, Eier zusammenrühren, dazu Spaghetti und dann mischen. In der Tat sehr schnell und auch lecker.

Es wird viel mit Öl gekocht, alles wird gefried. Es gibt Plantens (Kochbananen, die fritiert werden), Yam (gefühlt 1.000 verschiedene Sorten: Pounded Yam, white Yam, yellow Yam....schmeckt alles relativ ähnlich, vergleichbar zu Kartoffeln und Pounded Yam ist das, was wir liebevoll die „Matschepampe“ nennen, es gibt viel was Brei ähnlich ist). Gewürtzt wird grundsätzlich mit Pepe (sehr sehr scharf), Salt and Maggi (Cubes, nicht das flüssige). Nestle muss hier das Geschäft des Lebens machen. Teilweise werden noch Kräuter und Ingwer hinzugefügt, sehr sehr lecker wenn man es drauf hat, sehr überfordernd wenn nicht.
Heute Abend machen wir eine Reispfanne mit Gemüse und ich bin mir sicher wir werden noch viel mit Blandine, der Nichte, kochen, denn sie hat gerade 3 Monate Ferien (von der Schule) und viel Zeit und laut eigener Aussage Lust mit uns zu kochen.
Das hier ist Ma Esthers „Firekitchen. Es wird tatsächlich mit richtigem Feuer gekocht, wie man sehen kann. Auf dem Basthocker kann man dann sitzten. Auf die drei Steine wird ein Topf gestellt und dann geht es los. Es gibt eine bestimmte Technik, wie viele Stöcke benutzt werden und wie weit sie im Feuer liegen dürfen, damit das Essen nicht verbrennt und die perfekte Temperatur hat. Links oben sehrt Ihr das Bild einer „Groundingmachine“. Damit werden z.B. Erdnüsse oder Egussi gemahlen. Man füllt in den Trichter etwas ein, dreht am Haken und stellt auf den Tisch einfach einen Teller unter die öffnung und los geht’s. Auf dem letzten Bild sieht man dann einen „Groundingstone“. Wir haben auch einen, aber komplett aus Stein. Man legt das zu mahlende einf2ach auf die Holzplatte (z.B. Ingwer und Basilikum/Petersille, Pepe und kamerunisches Gemüse wie „Garden eggs, garden tomatoes) und muss mit einer bestimmten Technik, die ich nicht beherrsche mahlen. Das macht man dann so lange bis es eine Paste gibt, die man dann für das Essen benutzen kann.


Hier noch zwei Bilder aus Douala, einmal Julia und ich vor unserem Hotel und einmal auf der Feier in Douala mit den anderen Freiwilligen. Ich weiß, dass die Qualität echt bescheiden ist, aber es ist besser als kein Foto.


So dann noch einmal ein Bild von mir, damit ihr nicht vergesst, wie ich aussehe. Das sind alles Naturhaare, ich bin ganz stolz auf mich, dass ich endlich meine ganz normalen Haare haben kann. Das andere Bild ist in Dschang aufgenommen, mit Hans, ein Freund der Freiwilligen in Bafoussam. Es war ein sehr schöner Abend.


So ein weiterer Roman neigt sich dem Ende zu und mehr zu dem alltäglichen Kram findet ihr im nächsten Bericht!

Bis bald,
Louisa






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