Montag, 23. März 2015

Was ist denn eigentlich für mich anders

!!!Heute gibt es drei Berichte auf einmal zu lesen!!!!


Eigentlich wollte ich von sowas nicht wirklich berichten, weil man das einfach so nicht sagen ksnn. In jeder Stadt, in jeder Region ist alles wieder total unterschiedlich und ich kann die Unterschiede nicht mal benennen. Aber was ich natürlich sagen kann: Was fühlt sich für mich noch anders oder fremd an? Bzw. was nicht mehr?



Nun ja, was ist denn jetzt anders? Zunächst natürlich die Sprache. Mittlerweile ist mein Französisch viel besser, also habe ich bisher noch keine großen Kommunikationsschwierigkeiten gehabt. Trotzdem ist der Akzent und die Satzstellung anders als ich es bisher gewöhnt war. Ich selbst hab das schon total verinnerlicht und spreche mittlerweile ziemlich ähnlich. Bestimmte Floskeln sind einfach anders. Zur Erklärung: In Bali können die meisten Menschen Mungaka (Der Dorfdialekt). Das kann man ungefähr mit unserem wunderbaren Brecher (oder auch Brächä) Dialekt vergleichen. Nur ist es eine Sprache für sich. So wie Schweizerdeutsch. Dann können sehr viele (vor allem die jüngeren, die in der Schule sind und waren) Englisch. Und nicht zu vergessen Pitschin. Keine Ahnung wie man das schreibt, aber es ist eine bestimmte Mischung aus Englisch und....ja aus was noch: keine Ahnung. Es ist in jedem Land anders. Beispiel: In Kamerun ist „You are going for which side?“ üblich, in Nigeria vielleicht aber „Now, which side you looking for?“. Ich habe keine Ahnung vom Pitschin in Nigeria, aber so in etwa wurde es mir mal erklärt. Einige können auch noch Französisch. Die anglophone Region in Kamerun ist relativ klein und wenn man zu irgendeinem höheren Amt oder ähnlichem muss ist es meistens in Douala (größte Stadt Kameruns und Handelshauptstand) oder Yaoundé (die Hauptstadt und Regierungssitz). Beides ist frankophon und es ist sehr nützlich etwas Französisch zu sprechen. Ebenso wenn man Karriere machen will. Die Mega-Jobs sind meistens in Douala .

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass dann manchmal auch ein bisschen von der einen Sprache mit der anderen zusammenfließt. Vor allem wenn es um Pitschin und Englisch geht. Daher haben viele Freiwillige anfangs noch etwas Probleme alles zu verstehen und dann kommt natürlich noch eine Schnelligkeit dazu, wie wir es von der Schule aus nicht gewohnt sind.
Ich hatte da nie sehr große Probleme und mittlerweile verstehe ich auch schon ein bisschen Pitschin und kann ein paar Wörter Mungaka sprechen. Darüber freuen sich immer alle sehr. Max und ich haben letztens diskutiert. Er findet es seltsam, dass die Menschen sich darüber freuen und dass er sich darüber freuen soll, wenn ihn jemand mit „Guten Tag“ begrüßt, weil beides nur auswendiggelernte Floskeln sind und man doch einfach auf Englisch kommunizieren solle. Ich sehe das anders, wir leben ja schließlich hier in Bali und die Sprache ist Mungaka. Wir können zwar Englisch sprechen, aber wenn wir Mungaka lernen heißt das, dass wir zusätzliches Interesse zeigen. Wenn wir Englisch sprechen, können wir in fast jedem Land kommunizieren, aber Mungaka lernen wir nur für die Menschen in Bali.


Taxifahrten sind definitiv anders hier. Sie sind bezahlbar. Das liegt meist daran, dass das Auto losfährt wenn es voll ist. Richtig voll. Meist vier Personen hinten und zwei auf dem Beifahrersitz. Das senkt den Preis natürlich. Sollten wir in Deutschland auch mal ausprobieren. Bei Bussen das gleiche. Meistens 4 Personen in einem VW-Bus pro Bank (normalerweise sollten es drei sein). Meistens tut es nicht mehr weh, außer man hat Pech und sitzt mit etwas korpulenteren Personen auf einer Bank. Apropos korpulent, das Wort fett fällt öfter. Das soll keine Anschuldigung sein, sondern ist einfach nur eine Art der Beschreibung. So wie blonde Haare. Und niemand ist böse, außer ich. Ich bin wohl noch Deutschland-geschädigt. „Fat and healthy“ ist zum Beispiel einfach nur eine Art zu sagen, dass du eine gesunde Figur hast und nicht abgemagert bist. Entgegen der Vorurteile würde ich aber nicht unterschreiben, dass es ein Schönheitsideal ist, in der Jugend ist das genauso ein Thema wie in Deutschland auch.

Es gibt in Städten einige Supermärkte, aber während in Deutschland die meisten Menschen im Supermarkt einkaufen, weil lokale Bauern den Preisen der Supermarktmassenproduktion leider nicht standhalten können, kaufe ich größtenteils auf dem Markt ein. In Bali haben viele Menschen eine Farm. Am Wochenende oder auch unter der Woche gehen viele dorthin oder haben Arbeiter dort und so hat man dann selbst essen. Einige verkaufen dies dann auf dem Markt oder essen es selbst. Auch wenn man nicht eine Job hat und das Mega-Gehalt haben viele Menschen die Möglichkeit Essen von anderswo herzukriegen. Aber für Schulgeld, Miete, Öl und all die Sachen die man nicht selbst herstellen kann muss man natürlich trotzdem Geld haben. Ma Esther ist ein gutes Beispiel dafür. Sie arbeitet zwar ständig an irgendwas, aber hat keinen Job in dem Sinne, dass sie irgendwo eingestellt ist. Sie geht ca. 2 mal die Woche zur Farm und erntet Essen, kocht damit und verkauft einiges für Geld um Öl, Handyrechnung, Stromrechnung, TV und all das zu zahlen. Das Haus ist ihrer Schwester, die in Buea wohnt. Dadurch macht hier jeder seine eigene Preise. Handeln steht an der Tagesordnung. Deshalb werden auch Essenspreise kaum teurer, während Tabaksteuer, Alkoholsteuer oder irgendwas anderes beim Großhändler schon mal teurer werden kann, denn so kriegt die Regierung ihr Geld und so kontrolliert sie Preise. Ich denke mal, das hält den Wert des Geldes weit unten, während Bier mittlerweile leider sehr teuer geworden ist, vor allem beim Ausgehen. Von 1,50 pro Bier auf 3,00 ist schon krass. Und 3,00 sind 2% meines Geldes hier.


Ich war selten in einer Bar in Deutschland, in der getanzt worden ist. Das ist typisch deutsch. Wenn man tanzen will geht man in den Club, aber in einer Bar wird getrunken! Ist ja voll peinlich da zu tanzen. Und es gibt gar keine Tanzfläche, wie soll das denn gehen?
Als ich das erste mal in Douala ausgegangen bin, sind wir in einen Snack gegangen. Das ist wie eine Bar, aber man kann halt eben schon tanzen wenn man das will. Man steht einfach auf und kann selbst noch dort wo man sitzt tanzen. Find ich voll cool und hoffe das beizubehalten, aber in Limburg wird mich dann jeder für verrückt erklären und meine Freundinnen wären das letzte Mal mit mir ausgegangen. Schade.

Das Essen ist definitiv anders. Man kann in Supermärkten, vor allem in großen Städten echt alles kaufen. Alles. Riesen Fleischtheke, Käsetheke, Philadelphia, Fetakäse, Pringels, Duplo, Nutella...aber hier produziert werden diese Dinge üblicherweise nicht, deshalb zahlt man auch für 2 (!) Scheiben Kochschinken hinter der Theke 1,50 EUR, also 1% meines Geldes hier um mal ganz pingelig zu sein. Es gibt Orte an denen Käse produziert wird und ich habe auch schon erschwingliche Wurst in Städten in Boulangeries (Bäckerein) gesehen. Aber gewöhnlich ist es nicht. Mittlerweile ist Joghurt und Kuhmilch im Kommen, aber lange nicht so wie in Deutschland. Ich kenne nicht viele Menschen aus Bali, die einen Kühlschrank haben, das heißt alles wird so gelagert und Milch und Joghurt zu kaufen ist relativ sinnlos. Ich würde sagen, dass Essen ist nicht unfassbar scharf oder so, jeder kann seine eigene Dosis Pepe nehmen (Chilli-ähnlich). Meist wird Pepe als Paste im Restaurant auf den Tisch gestellt. In Nigeria fand ich die Schärfe um einiges härter. Ich habe allerdings auch ständig Pepesoup (Fishpepesoup) gegessen. Der Name sagt ja schon alles. Ich war froh um meine Bepanthen für meinen Mund und ein eiskaltes Bier um das Feuer in meinem Mund zu löschen. Öl ist eine Zutat, die unverzichtbar ist. In rauen Mengen. Es gibt ganze Soßen, die nur aus Tomaten und Öl bestehen und einige verschiedene Arten von Öl für bestimmte Sachen. Wenn ich koche muss ich mich auch immer zurückhalten um es nicht zu übertreiben. Zur Verteidigung muss man aber sagen, dass die Beschichtung eine andere ist und mit nur ein wenig Öl ist es unmöglich etwas zuzubereiten, aber es wird auch gerne frittiert. Fried Plantains, Fried Rice, Fried Eggs, Fried Chicken, Fired Fish...Immer wenn ich frage wie dies und das zubereitet wird, erhalte ich in etwa diese Antwort: „You take garlic, you take onions, take tomatoes. Then you fry it..you put salt, put maggi, put pepe and then you boil it.“ Ist immer ein Gag unter Freiwilligen. Natürlich ist es nicht ganz so einseitig, aber in etwa läuft es so ab. Mit Maggi Cubes wird viel zubereitet. Gewürzregale wie wir es kennen, gibt es nur in Supermärkten und sind ziemlich teuer. Wenn ich doch die Politik von Nestlé nicht unterstütze, schmecken tut's letztendlich doch. Außerdem bin ich Maggi geschädigt, denn Mama sagt immer: „Ist nur für Leute, die nicht kochen können.“ Dann muss ich allerdings sagen, dass ich immer noch nicht kochen kann.

Ich bin ziemlich oft auf Beerdigungen. Hier sterben nicht unfassbar viele Menschen oder so, aber ich werde einfach unheimlich oft eingeladen. Das ist anders als in Deutschland. Ich glaube ich war auf zwei Beerdigungen bisher, ich hoffe das bleibt auch so. Ich war erst einmal auf einer Beerdigung von jemanden, den ich kannte. Und oft, stehen mir die Menschen, die mich einladen auch nicht wirklich nah. Ich habe es so in Erinnerung, dass ich in Deutschland nur zu Beerdigungen gegangen wird, wenn es einen trifft und/oder man die gestorbene Person sehr gut kennt. Tatsächlich war ich noch nie bei der Beerdigungszeremonie dabei, die ist tatsächlich für enge Freunde und Familie. Ich natürlich nicht von der Zeit in Nigeria, sondern nur von der in Kamerun. Danach gibt es immer Essen und Getränke und dort werde ich dann eingeladen. Ich glaube das liegt daran, dass Bali einfach klein ist, aber es definitiv anders als in Deutschland.

Ich könnte jetzt sicher noch tausend Dinge aufzählen, aber im Moment fällt mir nichts ein und ich habe meine Liste verlegt. Das ist auch anders hier, es verschwinden ständig Dinge. Unsere Wohnung ist zwar klein, aber ich bin mir sicher die Heinzelmännchen kommen hier nachts hin und klauen meine Shirts, Klamotten, Lippenstiffte und meine Liste, damit ich ordentlich berichten kann. Ich melde mich sehr bald wieder!


Last but nor least, bin ich hier anders. Mein ganzes Leben ist anders. Ich wohne alleine, keine Mama, kein Papa, wenn das Geld leer ist, ist es leer. Wenn ich ein Problem habe, muss ich irgendwie damit fertig werden. Nach Deutschland anzurufen wird mich meist nicht weiterbringen und außerdem werde ich damit mehr Menschen beunruhigen als ich mich besser fühlen würde. Und am nächsten Tag sieht die Welt meist doch wieder ganz anders aus. Mir fällt u.a. nichts mehr ein, weil ich mich hier mittlerweile zu Hause fühle. Was für mich anfangs fremd war, ist es jetzt nicht mehr. Ich koche und putze und wasche, kann machen was ich will und muss aber auch die Konsequenzen dafür tragen. Ich hab keinen der mir sagt mach das oder dies, aber genau das ist manchmal anstrengend. Dann hat man auch niemanden auf den man es schieben kann und muss selbst denken. Hotel Mama war schon angenehm, aber trotzdem ist das hier auch nicht schlecht.

So jetzt weiß ich gar nichts mehr. Bitte kommentiert und fragt und lasst mich wissen was gut ist. Soll ich lieber öfter und kürzer schreiben oder ist es so gut?

Bis bald!

Louisa

P.S.: Ich komme am 1.9. wieder nach Good Old Germany. Wenn Ihr interessiert seid, mache ich gerne mal einen Bilderabend und rede bis Ihr nichts mehr hören könnt, Ihr kennt mich ja, das ist gar kein Problem für mich.

Auch in Deutschland werde ich noch einmal ein paar Bilder hochladen, dann ist das Internet etwas schneller. Wie immer ein Bild zum Abschluss!




Class 6 der Holy Infant beim Üben für die End of the Year Party. Ein Aufführungspunkt ist das Tanzen auf die Charts.

Sportunterricht. Ich habe mit den 3. und 4. Klässlern der Holy Infanft Versteinern gespielt. Bild 2: Der Ausblick von der Holy Infants School und noch ein weiteres Bild vom Tanztraining

So sieht es dann tatsächlich aus, wenn es kurz vor der Apokalypse steht, kurz vor Regen. Die anderen zwei Bilder zeigen den Roundabout (Kreisel) und den Grand Stand (Tribüne) Balis. Immer wenn etwas Großes ansteht, trifft man sich hier.

Checkers (ein Brettspiel, dass ich erst hier kennengelernt habe) mit Mr. Gregory

Ostereieg basteln und anmalen bei Time to Be. Rechts seht ihr meinen Versuch.

Das hier ist unsere liebe Pow Pow Lady. Pow Pow ist eigentlich ein bestimmter Teig, der frittiert wird. Es ist ähnlich wie Berliner oder auch Kreppel genannt, aber nicht wirklich süß. Man kann es gut mit Bohnen essen und in unserem Fall noch Spaghetti. Pow Pow sind diese runden Kugeln, die ihr seht und unsere Lady schmeißt den Teig gerade in das kochene Öl.





 Ich hoffe es hat Euch gefallen! :)






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