Dienstag, 5. Januar 2016

Abschied

Abschied

Ich bin nun schon seit dem 01.09. wieder in Deutschland. Eigentlich wollte ich meinen letzten Blogeintrag schon lange verfassen, aber ihr kennt mich ja. Pünktlichkeit war noch nie so mein Ding. Es ist schon ziemlich peinlich wenn man bedenkt, dass ich in unfassbaren 15 Tagen wieder nach Kamerun fliege!

Die Ankunft in Deutschland viel mir sehr schwer aus ganz verschiedenen Gründen.
Aus Kamerun zu gehen war viel schlimmer als aus Deutschland zu gehen. Natürlich hatte ich vor meiner Reise nach Kamerun Angst den Kontakt mit meinen Freunden zu verlieren und alleine zu sein, doch in der heutigen Zeit mit WhatsApp, Facebook, Skype und Co. ist es unmöglich den Kontakt zu verlieren, selbst wenn man will.

Ich würde sagen mein Jahr in Kamerun teilte sich in drei Abschnitte ein:

Am Anfang war alles neu und anfangs noch aufregend, später bemerkte ich natürlich auch was einem schwer fällt. Anfangs war ich noch relativ alleine und musste erstmal warm werden mit neuen Aufgaben, neuer Verantwortung und mit einer fremden Kultur, meinen Mitbewohner und allem was neu war.

Nach etwa 5 Monaten fühlte ich mich schon gut integriert in Kamerun und es gab keine absoluten Neuheiten für mich mehr. Die Aufregung ist weg. In dieser Zeit lernte ich meine wirklich guten Freunde in Kamerun kennen. So ganz ohne irgendwelche Hindernisse oder Kontrolle aus Deutschland fühlt man sich ganz schön frei und macht die verrücktesten Dinge und dabei lernte ich tolle Menschen kennen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Dazu zählen natürlich auch die anderen deutschen Freiwilligen, die mir mein Jahr versüßt haben. Es war sehr schön Menschen um mich zu haben, die Erlebnisse mit mir teilen und mich so gut verstehen konnten.
Natürlich habe ich auch ganz wunderbare KamerunerInnen kennengelernt.

Die letzten 1,2 Monate drehten sich bei mir nur um Abschied.

Was will ich alles noch mal gemacht haben bevor ich gehe? Welche Menschen möchte ich noch treffen? Wem soll ich was schenken? Wie geht es in Deutschland weiter? Studiere ich, oder lieber noch nicht? Wann ist die Bewerbungsfrist? Wie soll ich überhaupt so schnell eine Wohnung finden und wo ist das nächste Internetcafé?

Fragen über Fragen. Es war nicht immer einfach eine gute Lösung zu finden, aber ich habe meine letzten 2 Monate in Kamerun voll ausgekostet. Die 2 letzten Monate wohnte ich in Bafoussam bei meinem Freund. Ich bin noch viel gereist und habe auch noch viel Zeit in Bali verbracht. Jedes Wochenende fuhr ich wieder nach Bali um noch einmal Abschied zu feiern. Ich weiß gar nicht wieviele „Send-Off“ Partys ich gegeben habe.

Natürlich war nicht alles rosig in diesem Jahr, bei wem ist es das schon? Schon gar nicht wenn gefühlt 1.000 neue Dinge dich überrollen. Nicht unbedingt kulturbedingt, sondern auch Dinge des alltäglichen Lebens: Die erste eigene Wohnung, Leben in einer WG, Kochen, Putzen, Arbeiten, Geld managen und Mama kann nicht eingreifen wenn doch mal was ist.

Das alles war manchmal schon hart. Ich würde sagen, ich habe die extremsten Erfahrungen in meinem noch so jungen Leben fast alle in diesem Jahr gemacht. Sowohl die Schönsten, als auch die nicht so Schönen. In meinem Herzen bleiben all die wunderschönen Momente mit Menschen, die ich über alles liebe.

Mein Jahr in Kamerun war sehr intensiv und ich würde es gerne in einem Glas festhalten und immer wieder in diese wunderbare Welt eintauchen, wenn ich es brauche. Vielleicht so einen Schrank wie in Narnia, das wär cool.

Der Abschied aus Kamerun war sehr schlimm. Ich hab noch nie so geweint in meinem Leben. Irgendwie hat sich alles so angefühlt als geht es jetzt einfach nicht mehr weiter, als wäre es das gewesen. Ich dachte auch ich wäre eine andere, die so gar nicht mehr nach Deutschland passt und auch nicht will. In den letzten Monaten hatte ich nicht mehr das Gefühl etwas zeitlich begrenztes zu tun. Stellt euch mal vor man würde euch einfach so von eurer Familie euren Freunden von allem was ihr liebt und was ihr lebt trennen. Genauso hat es sich angefühlt. Und andererseits geht man aus der Flughafentür und auf einmal steht Famillie da, dort stehen Freunde. Und eben war man noch in Kamerun. Der Abflug das waren glaube ich die komischsten Stunden meines Lebens.

Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell wieder den deutschen Alltag einnimmt. Manchmal kommt es mir vor als wäre Kamerun nur ein Traum und ich wäre gar nicht dort gewesen. Egal wo man hingeht, man muss sich anpassen und das rückt alles andere in den Hintergrund. Manchmal kommt mir diese Welt hier völlig unwirklich vor. Man steht am Frankfurter Hauptbahnhof und Tausende von Menschen wuseln an dir vorbei, jeder in seine Richtung. Keiner hält inne und realisiert, wo er sich gerade befindet, alle Laufen nur dem Strom nach und machen was man halt eben machen muss ohne es auch nur eine Sekunde in Frage zu stellen.

Das Leben hier in Deutschland ist für mich zwar im Moment noch schwer, aber hat auch viele
Vorteile. Nicht zuletzt die unbegrenzten Chancen in Deutschland. Das Prinzip des „American Dreams“. Die Welt steht mir offen. Ich hab einen Deutschen Pass, damit kann ich im Prinzip in jedes Land der Welt, ein Staatssystem, das mich fördert. Im schulischen Bereich, im rechtlichen, in allem. Gesetze für Arbeitnehmer, Krankenkassen, Mindestlohn, Zuschüsse, BaföG....oft ist uns die Bedeutung dieser Dinge nicht klar, aber sie schützen uns unfassbar. Und sie lassen uns nicht so einfach den Glauben an uns selbst aufgeben. Das alles gibt es leider nicht in Kamerun und das macht wohl den für mich größten Unterschied zwischen diesen zwei Welten aus. Das verändert alles, die Mentalität, die Systeme, die Infrastrukturen, eben so alles was ein Land so „ausmacht“. Diese Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit, dich ich auch selbst erleben musste hat mich oft sehr wütend gemacht, aber sie lässt mich die Welt auch mit anderen Augen sehen, aus anderen Perspektiven.

Ich habe unfassbar viel gelernt und das werde ich alles mitnehmen und ich werde es nie wieder vergessen. Ich habe viel über mich gelernt, wie ich sein will und wie nicht, was ich machen will und was nicht. Meine Freunde in Kamerun sind meine Familie und ich werde sie immer in meinem Herzen tragen und sie bald wieder sehen. Ich hoffe ich kann noch ewig von ihnen lernen und sie von mir, das ist der Sinn eines FSJs. Der Austausch von 2 verschiedenen Kulturen und das im besten Fall beide Parteien schlauer hinausgehen als sie reingekommen sind.

In 15 Tagen geht es los und ich sehe sie endlich wieder. Ich freue mich unglaublich darauf.

Was mache ich im Moment? Ich arbeite im Moment um danach reisen zu gehen. Im Oktober 2016 starte ich dann vorraussichtlich mit der
Uni. Ich werde mich sowohl auf Psychologie bewerben (aber außer im Losverfahren habe ich keine Chance) als auch auf das Fach „Internationale Soziale Arbeit“. Ich werde probieren euch hier von meinen (geplanten) weiteren Reisen zu berichten. Gebt mir gerne mal Rückmeldung zu den Beiträgen :)

Falls Ihr interessiert daran seid mal meine Bilder bei einem gemütlichen Abend anzuschauen sagt mir doch gerne Bescheid, dann könnte ich mal was organisieren und wir essen, trinken und quatschen gemeinsam. Vielleicht ja ein kamerunischer Kochabend.



Ich möchte an dieser Stelle ein großes Dankeschön aussprechen an alle Menschen, die mich in meinem Jahr unterstützt haben, aufgemuntert haben und mit mir gefeiert, gelacht und geweint haben und ich danke allen die meinen Blog gelesen haben, es hat mich sehr gefreut zu sehen, wieviele Leute hier wirklich reingeguckt haben und auch wenn ich nicht immer regelmäßig geschrieben habe, hat es mir immer sehr viel Spaß gemacht.















Bis dann,

Eure Louisa



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